Vor allem bei
älteren Männern auf dem Land, aber auch in der Stadt
hat sich die Gewohnheit erhalten, vor- oder nachmittags
auf einen Schwatz im Kafenion, dem traditionellen
griechischen Cafe, vorbeizuschauen. Da werden die
neuesten Nachrichten aus der kleinen und großen Welt
ausgetauscht, und vor allem kurz vor politischen Wahlen
geht es oft hoch her. Manch einer spielt mit seinem
Komboloi, das einem Rosenkranz ähnlich ist, vom Islam
übernommen wurde und vor allem dazu dient, stundenlang
damit zu hantieren. Einigen reicht allerdings auch ein
Schlüsselbund, um sich ganz so oft zur Zigarettenpackung
zu greifen.Zu den unabdingbaren Requisiten gehören ansonsten im Kafenion Kartenspiele und besonders Tavli, das griechische Backgammon. Und natürlich der griechische Kaffee, der Kafes ellinikos, den man ohne Zucker (sketos), leicht gezuckert (metrios) und süß (glikos) bestellen kann und der in kleine Tässchen gebracht wird. Seine Zubereitung erfordert einige Mühe; um den vollen Geschmack zu erreichen, muss er auf kleiner Flamme zwei- oder sogar dreimal kurz aufgekocht werden. Wie auch immer - der griechische Kaffee wird genippt und oft über einen so langen Zeitpunkt genossen, dass er schon längst kalt ist. Wer zu hastig den letzten Schluck hinunterkippt, wird mit dem nicht sehr wohlschmeckenden Satz bestraft. Wem nicht nach Kaffee ist, kann sich auch Ouzo, Bier oder das sogenannte gliko tu kutaliu bestellen, eine sirupartige Angelegenheit mit eingelegten Früchten, die mit einem Löffelchen auf einem kleinen Teller serviert wird. Einen
Bestellzwang gibt es in der Regel nicht, und es wird
niemand schief angesehen, weil er sich an seinem Kaffee
und seiner Zeitung stundenlang festhält oder ins
Tavlispiel vertieft ist. So gut wie jedes Dorf hat ein
Kafenion. Meist ist es einfach, um nicht zu sagen wenig
anziehend eingerichtet. Zigarettenqualm hängt in der
Luft, die großen Fensterscheiben sind blind, die Tische
und Stühle wackelig. All das verlockt außer Rentnern
und leidenschaftlichen Tavli- oder Kartenspielern keinen
zum Bleiben. Vor allem die Jüngeren fühlen sich in
schickeren Cafes oder nach europäischem Standard
eingerichteten Bars wohler.Es gibt aber auch - was kaum bekannt ist - traditionelle Kafenia, in denen sich abends die ganze Familie einfindet. Dort sitzen Alt und Jung, Kinder, Frauen und Männer einträchtig um die Tische, auf denen Getränke sowie kleinere oder größere Vorspeisen, mezedakia, stehen, und reden über die Dorfangelegenheiten. Das Bild vom Kafenion als reiner Männerdomäne ist also durchaus zu korrigieren.
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