Nikos Kazantzakis - Alexis Sorbas:

Bitte Bild anklicken!!

Inhalt:

Der etwa 35 Jahre alte englische Schriftsteller Basil (Alan Bates) pachtet ein aufgelassenes Braunkohlenbergwerk an der Küste Kretas und schifft sich ein, um es in Betrieb zu nehmen und ein "tätiges Leben" zu beginnen.
Bei einem Zwischenaufenthalt im Hafen von Piräus spricht ihn der etwa 65 Jahre alte Vagabund Alexis Sorbas (Anthony Quinn) an: "Kannst du mich mitnehmen?" Basil fragt: "Wieso? Was soll ich mit dir anfangen?" Unwirsch erwidert der Makedonier: "Wieso? Weshalb? Kann denn der Mensch nicht auch einmal etwas tun ohne ein Wieso?" Der urwüchsige Mann gefällt Basil; er nimmt ihn mit nach Kreta und stellt ihn als Aufseher ein.

Alexis Sorbas ist nicht zur Schule gegangen; sein gesunder Menschenverstand ist unverdorben. Er beobachtet alles aufmerksam, neugierig und wissbegierig -- als ob er alles zum ersten Mal sähe. Er konzentriert sich immer auf das Hier und Jetzt: "Ich denke nicht mehr an das, was hier gestern geschah. Ich frage nicht mehr danach, was morgen geschieht. Mich kümmert nur noch, was heute, in dieser Minute, passiert!" Arbeit und Vergnügen weiß er zu unterscheiden: "Der Tag ist für die Arbeit. Darum ist er ein Mann. Die Nacht ist für das Vergnügen, darum ist sie eine Frau. Man soll nicht alles durcheinanderbringen."

Wenn Basil ins Bergwerk kommt, versucht sein Aufseher ihn wieder loszuwerden, denn es passt ihm nicht, dass der Chef den Arbeitern eine Pause gönnt oder sich mit ihnen unterhält: "Was interessieren dich die Privatangelegenheiten der Arbeiter? Du wirst sie bedauern, du wirst sie mehr lieben als nötig und besonders mehr, als im Interesse unseres Unternehmens liegt. Und du wirst sie stets entschuldigen, was sie auch ausfressen mögen..."

Alexis Sorbas hofiert die verwelkte Witwe Madame Hortense (Lila Kedrova), die in der Einsamkeit ihres aus einigen ausrangierten Badekabinen zusammengestellten Gasthauses von besseren Zeiten träumt. Damals, so erzählt sie, lagen die englische, französische, italienische und russische Flotte in der Suda-Bai vor Anker und sie war die Geliebte der vier Admiräle. Der Makedonier macht sich keine Illusionen, aber Madame Hortense ist hier die einzige für ihn erreichbare Frau und er hat Mitleid mit ihr, genügt doch eine weibliche Träne, um ihn zu ertränken. Er hat seine eigene Auffassung von der Liebe und ist nicht mit den Hähnen vergleichbar, "die blitzschnell auf die Hennen springen, dann den Hals aufblähen, auf den Misthaufen steigen und, stolz über ihre Leistung, krähen. Die Henne gilt ihnen nichts, ihr roter Kamm ist ihnen die Hauptsache. Was für einen Begriff können die von der Liebe haben?" Sorbas glaubt, dass Gott am Ende alles verzeiht -- bis auf eines: Wenn ein Mann eine Frau haben könnte und sie verschmäht, kommt er in die Hölle.

Als er sich mit Basil vor einem Regenschauer in das Dorfcafé "Zum schamhaften Josef" rettet, das übrigens gleichzeitig eine Metzgerei ist, beobachtet er, wie sein Chef die junge Witwe Surmelina (Irene Papas) anstarrt, die draußen im nassen Kleid vorbeiläuft. Auch ihren Blick hat er nicht übersehen. Da stachelt er Basil an, Surmelina unter einem Vorwand zu besuchen. Aber der möchte keine Scherereien. Das kann Alexis Sorbas nicht verstehen: "Du willst keine Schererei? Was willst du denn sonst? Das ganze Leben ist eine Schererei, der Tod ist es nicht."

Als Basil wieder einmal im Bergwerk ist, hört Sorbas als Einziger verdächtige Geräusche. Der Stollen droht einzustürzen. Er schickt seinen Chef und die Arbeiter ins Freie, während er selbst versucht, die Decke mit einen mächtigen Baumstamm abzustützen. Aber es hilft nichts. Im letzten Augenblick kann Alexis Sorbas sich retten. Er will eine Seilbahn vom Bergwerk zum Strand bauen, um die Kohle auf Schiffe verladen zu können. Immer wieder studiert er an einem Modell, wie es funktionieren könnte. Er weiß, dass es vor allem auf den Neigungswinkel ankommt. Schließlich reitet er auf einem Maultier in die nächste Stadt, um Material für den Bau der Seilbahn zu kaufen und verspricht, in drei Tagen zurück zu sein. Am sechsten Tag erhält Basil einen Brief, in dem der Grieche mitteilt, er sei bei einer Kokotte namens Lola gestrandet. Weil die Geschäfte in Kandia bei seiner Ankunft bereits geschlossen waren, ging er in ein Lokal. Als sich dort das "fingerdick angestrichene Flittchen" mit den Worten "Du erlaubst, Großväterchen?" neben ihn setzte, musste er seine und die Ehre seines Chefs verteidigen und deshalb auf der Stelle zwei Flaschen Sekt bestellen. Anschließend begleitete er Lola in ihre Wohnung, und da ist er noch immer. Basil telegrafiert nach Kandia: "Kehre sofort zurück!"

Madame Hortense sucht Basil auf und fragt nach Sorbas. Voll Mitleid tut er so, als lese er Passagen aus dem Brief vor und erfindet lauter Schmeicheleien. Aber das genügt der einsamen Frau nicht. "Ist das alles?", murmelt sie enttäuscht. Da behauptet Basil, Sorbas habe auch geschrieben, dass er sie nach seiner Rückkehr heiraten wolle. Jetzt ist sie glücklich und trocknet sich die Augen. Im nächsten Augenblick beauftragt sie Basil, Sorbas zu schreiben und zählt auf, was er für die Hochzeit besorgen soll. So versucht sie ihren zukünftigen Gatten bereits vor der Ehe zum Dienstmann zu machen.
Als Sorbas nach seiner Rückkehr erfährt, was Basil der ältlichen Französin in seinem Namen versprochen hat, kritisiert er ihn zwar, doch als sie mit zwei Ringen vorbeikommt, bringt er es nicht übers Herz, sie abzuweisen und improvisiert am Strand eine Hochzeitszeremonie.

Pawlis, der Sohn des Dorfschulzen Mawrandonis, hat sich aus Liebeskummer ertränkt, weil ihn die stolze Witwe Surmelina nicht beachtete. Als Manolakas die Leiche seines Vetters ins Dorf trägt, hetzt eine Bewohnerin die Männer auf und schreit: "Findet sich denn kein Mann im Dorf, um sie auf seinen Knien wie einen Hammel zu schlachten? Pfui, diese Feiglinge!"
Der Dorftrottel Mimithos bringt Basil ein Körbchen Orangen von Surmelina. Endlich schleicht er sich zu ihr und verbringt die Nacht mit ihr. Am nächsten Tag bringt sie Orangenzweige in die Kirche. Die Dorfbewohner rotten sich zusammen. Als Surmelina die Kirche verlässt, wird sie gesteinigt.

Am Ostermorgen warten Sorbas und Basil vergeblich auf Madame Hortense. Sie hat sich erkältet und kann nicht aufstehen. Einige Tage später liegt sie im Sterben. Als die beiden in einer Ecke des Totenzimmers kauernden Klageweiber merken, dass die anderen Dorfbewohner bereits die Hühner der Sterbenden schlachten, werden sie unruhig, weil sie bei der bevorstehenden Plünderung nicht leer ausgehen wollen. Frauen, Männer und Kinder klettern über die Zäune und schleppen alles weg, was sie packen können: Pfannen, Schüsseln, Matratzen, Kaninchen, Türen, Fenster. Die Schuhe der Toten bindet sich der Dorftrottel um den Hals.

Endlich ist die Seilbahn fertig. Sie führt durch einen Wald, den Alexis Sorbas im Auftrag Basils dem nahen Kloster abgekauft hat. Zur Eröffnung kommen die Mönche und die Honoratioren aus dem Dorf. Im Sonntagsanzug steht Alexis Sorbas am Strand und gibt ein Zeichen, damit der erste Baumstamm losgeschickt wird. Das Gefälle ist viel zu stark, aber Alexis Sorbas will es nicht wahrhaben. Beim vierten Baumstamm reißen die Drahtseile die Träger um. Kreischend laufen die Leute weg. Basil und Alexis Sorbas bleiben allein zurück. "Der Hammel wird verkohlen", ruft Alexis plötzlich. Er und Basil schneiden sich große Fleischstücke ab, essen und trinken und lachen. Dann fordert Basil seinen Freund auf, ihm das Tanzen beizubringen. Schon früher hatte er Alexis Sorbas gestanden: "Die Kohlen sind nur der äußere Anlass. Ein Vorwand, um bei den Leuten nicht in Verdacht zu kommen. Sie müssen uns für brave Unternehmer halten, sonst schmeißen sie uns faule Eier nach."

Er hat sein ganzes Geld verloren, aber der blasse, belesene, grübelnde Akademiker hat von dem vitalen, zuweilen singenden und tanzenden Griechen gelernt, dass es auch eine unkomplizierte Weisheit, eine schlichte Humanität und eine unmittelbare Lebensfreude gibt.


zurück zur Homepage: